Aachen-Tsinghua-Workshop zur Zukunft der Technologien der Stromerzeugung

  Personen sitzen in einem Workshop Urheberrecht: Thomas Bexten

Im April veranstaltete das Institut für Kraftwerkstechnik, Dampf- und Gasturbinen, IKDG der RWTH Aachen gemeinsam mit dem BP Clean Energy Center der Tsinghua University in Peking einen fünftägigen Forschungsworkshop zum Thema zukünftige Technologien der Stromerzeugung. An dem Workshop nahmen nebst den Institutsleitern Professor Manfred Wirsum und Professor Li Zheng vier Promovierende des IKDG und zahlreiche Promovierende, wissenschaftliche Mitarbeiter und Studierende der Tsinghua University teil.

Das IKDG beschäftigt sich mit aktuellen energietechnischen Fragestellungen. Dazu zählen Herausforderungen, die durch den starken Ausbau der Erneuerbaren Energien entstanden sind: Dezentrale Strom- und Wärmeerzeugung, Stromspeicherung, Reduzierung von Schadstoffemissionen, Flexibilisierung konventioneller Kraftwerke sowie Maßnahmen zur Reduzierung des daraus resultierenden Lebensdauerverbrauchs.

China, als eine der größten und aufstrebenden Volkswirtschaften der Welt, steht heutzutage am Beginn einer energiepolitischen Revolution, die mit der deutschen Energiewende vergleichbar ist. Bisher basiert die Energiebereitstellung in China größtenteils auf Kohle-, Kern- und Wasserkraftwerken. Der Energiemarkt wird vorwiegend zentral gelenkt, so dass wenig marktwirtschaftlicher Wettbewerb vorhanden ist. Das Resultat sind anhaltend hohe Schadstoff-Emissionen und eine Überkapazität an Kohlekraftwerken, die aus dem aktuell leicht abgeschwächten Wirtschaftswachstum resultieren. In Kombination mit den in Paris beschlossenen Klimazielen werden diese Faktoren voraussichtlich zu einem Umschwung in der Energiepolitik Chinas führen.

BP Clean Energy Center

Das BP Clean Energy Center der Tsinghua University, die führende Technische Universität Chinas und Strategischer Partner der RWTH Aachen, besitzt ein breites Know-how in verschiedenen Themenfeldern der Energietechnik. Dieses umfasst unter anderem die Analyse von Langzeitdaten thermischer Kraftwerke, Aufbereitung und Qualitätssteigerung von Prozessdaten mittels statistischer Methoden, Performance-Monitoring und eine neuartige Methode zur Analyse der Brennstoffzusammensetzung zur Optimierung der Feuerung und Reduzierung von Schadstoffen von Kohlekraftwerken.

Insbesondere in den genannten Themenfeldern gibt es Interessensüberschneidungen zwischen den beiden Forschungseinrichtungen. Hier können durch zukünftigen Wissenstransfer und Kooperation wissenschaftliche Fortschritte effizienter und schneller gemeinsam generiert werden.

Zwischen dem BP Clean Energy Center der Tsinghua University und dem IKDG der RWTH Aachen besteht bereits seit Jahren ein Austausch von Promovierenden. Durch den Workshop ist es gelungen, die Beziehungen weiter zu intensivieren und gemeinsam Ziele für eine weitergehende Forschungskooperation zu setzen. Der Workshop wurde ermöglicht durch Fördermittel des Bundesministerium für Bildung und Forschung, BMBF, im Rahmen des DAAD-Förderprogramms Strategische Partnerschaften und Thematische Netzwerke.

Intensivierung des wissenschaftlichen Austausches

Im Rahmen des Workshops wurden aktuelle Forschungsgebiete an beiden Partnerinstituten vorgestellt und diskutiert. In Arbeitsgruppen besprachen die Teilnehmenden zukünftige Forschungsthemen und erarbeiteten Vorschläge für gemeinsame Forschungsprojekte. Beabsichtigt ist die Intensivierung des Austausches von wissenschaftlichen Mitarbeitern und Studierenden, die Einrichtung eines jährlich stattfindenden Workshops als Basis für die Einrichtung gemeinsamer Forschungsstrukturen und die Intensivierung der Zusammenarbeit im Rahmen des RWTH-Tsinghua Joint Research Laboratory.

Der Workshop stand neben dem fachlichen Austausch auch im Zeichen des gegenseitigen Kennenlernens. Im Laufe der Veranstaltung gab es hierzu vielfältig Gelegenheit, so dass die weiteren geplanten Aktivitäten im Rahmen gemeinsamer Forschungsaktivitäten auf sehr viel persönlicherer Ebene unkompliziert ablaufen können. Der Workshop endete mit einem gemeinsamen Besuch der Chinesischen Mauer. Die chinesischen Kollegen erwiesen sich auch hier als fachkundig und informierten detailliert über die Historie dieses Weltkulturerbes.

Text: Thomas Bexten, Dennis Többen, Dr. Birte Seffert, Philipp Vinnemeier